• Schule der Zukunft 2012 + 2015 in NRW
  • Offizielles Projekt der BNE-Weltdekade der
    Vereinten Nationen 2012/2013
  • Nachhaltigkeitspreis der Stadt Bochum 2012 und 2013
  • Haus der kleinen Forscher 2016

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Ganztagsschule Köllerholz

Kurzinformation

Die Köllerholzschule ist seit dem 1. August 2004 Offene Ganztagsschule (OGS) in Nordrhein-Westfalen. Wir verfügen somit zu Beginn des Schuljahres 2016/17 über eine 13-jährige Ganztagsschulerfahrung. Jugendhilfeträger unseres Ganztags ist von Anfang an die Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte, mit der wir bereits in den Jahren vor 2004 verschiedene NRW-Vorgängermodelle der Kinderbetreuung initiiert und erfolgreich durchgeführt haben.

Erwähnenswert ist, dass wir unsere Schule bereits seit 1994 an zwei Nachmittagen in der Woche bis 18 Uhr freiwillig geöffnet haben, um unser profilorientiertes Großprojekt „Schulgarten“ umzusetzen. Diese Erfahrungen sind bis heute grundlegender Bestandteil unserer Ganztagsschulkonzeption, die Sie im weiteren Verlauf dieser Seite einsehen können.

In besonderer Planung ist eine spezielle Form der „Rhythmisierten Ganztagsschule Köllerholz“. Informieren Sie sich dazu bitte in unserer Konzeption im weiteren Verlauf dieser Seite!

Von insgesamt 295 Schulkindern im Schuljahr 2017/18 nehmen 185 Kinder am Offenen Ganztag bis 16 Uhr teil. Weitere 25 Kinder nutzen unsere Übermittagbetreuung, das kleinere Format, bis 13.30 Uhr. Gleichzeitig steht allen Familien die Frühbetreuung ab 7.15 Uhr nach Bedarf offen.

Kosten

  1. Offener Ganztag bis 16 Uhr inklusive Mittagessen und Ferienbetreuung: monatliche Elternbeiträge abhängig vom Elterneinkommen mit Einzug durch das Jugendamt der Stadt Bochum / monatlicher Einzug des Essensgeldes in Höhe von 53 Euro durch die Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte
  2. Übermittagbetreuung bis 13.30 Uhr exklusive Mittagessen und Ferienbetreuung: monatliche Elternbeiträge abhängig vom Elterneinkommen mit Einzug durch das Jugendamt der Stadt Bochum

Alle Details sind in den Jahresverträgen der AWO geregelt. Bitte sprechen Sie bei Bedarf unsere Ganztagskoordinatorinnnen Erika Schaper und Dr. Wiltrud Geurtz an. Telefon: 0234-9422098 oder E-Mail: koellerholz@awo-ruhr-mitte.de

Umfangreiche Informationen der Arbeiterwohlfahrt zur OGS finden Sie hier.

Die Wochenübersicht mit Unterricht, Lernzeit, Freizeit und Projekten finden Sie hier.

Den Ganztag unserer Schule bei QUA-LiS NRW, der Qualtäts- und Unterstützungsagentur im Landesinstitut für Schule finden Sie hier.

Ganztagsschulkonzeption der Köllerholzschule Bochum

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Übersicht:

A. Die Köllerholzschule im Kurzprofil

  1. Schuldaten
  2. Schulprofil „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
  3. Ganztägige Bildung und „Köllerholz-Werkstatt“
  4. Leitbild „Köllerholz 21“ und inklusive Bildung
  5. Feedback und Evaluation

 

B. Schulprogrammentwicklung – Aufgabe für die Ganztagsschule

  1. Auf- und Ausbau der Ganztagsschule
  2. Individuelle Förderung und Bildung
  3. Standortplan Köllerholzschule und Werkstattarbeit
  4. Qualitätsentwicklung
  5. Themenschwerpunkte
  6. Gelingensfaktoren für die Schulprofil- und Schulprogrammarbeit

 

C. Multiprofessionelle Teamarbeit in der Ganztagsschule

  1. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  2. Teambildung
  3. Personalausstattung
  4. Personalentwicklung und Kooperation
  5. Kommunikation
  6. Elternberatung
  7. Personalprofile
  8. Gelingensfaktoren für die multiprofessionelle Teamarbeit

 

D. Partizipation von Schülerinnen und Schülern und Rhythmisierung

  1. Schülerinnen und Schüler machen Programm
  2. Lernen im Leben
  3. Lernzeit und Freizeit
  4. Partizipative Didaktik
  5. Freiräume und Rhythmisierung
  6. Schülervertretung
  7. Selbstbestimmtheit
  8. Flexibilisierung der Lernzeiten
  9. Biorhythmen
  10. Perspektiven der rhythmisierten Ganztagsschule
  11. Gelingensfaktoren für die Partizipation von Schülerinnen und Schülern und die  Rhythmisierung in der Ganztagsschule

 

E. Individuelle Förderung – Schule für alle – Lernzeit und Freizeit – Schule als Lernwerkstatt

  1. Schule für alle und echte Teilhabe
  2. Anspruch der individuellen Förderung
  3. Lernwerkstatt
  4. Nachhaltige Lernprozesse
  5. Schülerfirma
  6. Vom Dreiklang zum Zweiklang
  7. Gelingensfaktoren für die individuelle Förderung in der Ganztagsschule für alle

 

F. Zusammenarbeit mit Eltern in der Ganztagsschule

  1. Partizipation von Anfang an
  2. Schwerpunkte der Bildungsarbeit
  3. Vielfalt und Vertrauen
  4. Beratung durch Expertinnen und Experten
  5. Mitwirkung mit Wirkung fördert Bildung
  6. Onlineservice und Kommunikation
  7. Probleme als Wegweiser
  8. Gelingensfaktoren für die Zusammenarbeit mit den Eltern

 

A. Die Köllerholzschule Bochum im Kurzprofil

1. Schuldaten

  • Gründung 1965 als Volksschule
  • seit 1984 Gemeinschaftsgrundschule
  • seit 2004 Offene Ganztagsschule
  • dreizügig, 12 Klassen
  • 295 Schülerinnen und Schüler insgesamt (Stichtag 15.10.2017)
  • Schülerinnen und Schüler aus 23 Nationen
  • ein Drittel der Schülerinnen und Schüler kommt aus dem ursprünglichen Einzugsgebiet der Schule (Bochum-Oberdahlhausen), zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler kommen aus benachbarten Stadtteilen (Bochum-Dahlhausen, Bochum-Linden, Bochum-Wattenscheid-Höntrop), aus weiter entfernten Stadtteilen oder aus den Nachbarstädten Essen, Gelsenkirchen, Hattingen und Sprockhövel
  • 185 Schülerinnen und Schüler im Ganztag bis 16 Uhr
  • 25 Schülerinnen und Schüler in der Betreuung bis 13.30 Uhr
  • 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insgesamt, davon 50 fest an der Schule
  • 19 Lehrerinnen und Lehrer (incl. 1 Sonderpädagogin)
  • 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ganztagsteam in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte
  • 10 dauerhaft Tätige in Ehrenämtern
  • 10 Musikschullehrkräfte

 

2. Schulprofil „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Die Köllerholzschule hat ihr Schulprofil „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) seit 1993 bis heute mit allen schulischen Akteuren, im Besonderen mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch mit den Eltern entwickelt und verstetigt. Die entscheidende Grundlage dafür war der Ausbau des südlichen Schulgeländes auf einer Fläche von über 3000 Quadratmetern zu einem Lern- und Erlebnisschulgarten, in dem in der Folge über 50 Lernstationen für den praxisorientierten Unterricht eingerichtet wurden.

 

3. Ganztägige Bildung und „Köllerholz-Werkstatt“

Bereits seit 1994 wurde die Schule in Teilen ganztägig geöffnet. Der Dienstag und der Donnerstag entwickelten sich zu „Klassikern“ der Schulprojektarbeit. Ganzjährig jeweils bis 18 Uhr wurden hier unter dem Dach der „Köllerholz-Werkstatt“ (Schülerinnen und Schüler, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen) nach Abstimmung mit den schulischen Gremien übergreifende Projekte initiiert, begleitet, durchgeführt und bis heute im jährlichen öffentlichen Frühjahrs- und Sommerprogramm gebündelt. Das Programm jährt sich aktuell zum 16. Mal.

 

4. Leitbild „Köllerholz 21“ und inklusive Bildung

Seit 2004 wurde die seit 1993 bestehende Köllerholz-Werkstatt als zentrale Schulentwicklungseinrichtung in die neu gegründete Offene Ganztagsschule integriert. Vor dem Leitbild „Köllerholz 21“, unter Berücksichtung der schulischen Qualitätsziele und in Folge der bereits seit zwei Jahrzehnten andauernden Profilentwicklung wird die bis heute geleistete Arbeit mit ihren Ergebnissen im Querschnitt ganztägiger Förderung und Bildung neu aufgesetzt. Im gemeinsamen Unterricht für alle entwickelt die Schule eine inklusive Bildungskonzeption. Dies entspricht den inhaltlichen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (Ökologie, Ökonomie und Soziales).

 

5. Feedback und Evaluation

Im Sinne des Feedbacks und der Evaluation war die Teilnahme an auf die Schulprofilentwicklung bezogenen Wettbewerben obligatorisch.

  • In den 1990er-Jahren waren das im Besonderen Wettbewerbe mit Auszeichnungen zur Schulumfeld- oder Schulgartengestaltung. Als herausragend zu erwähnen sind neben vielen weiteren der „Heinz-Sielmann-Schulpreis“ und die Auszeichnung mit dem Förderpreis „Der aktive Schulgarten“ durch Gräfin Sonja Bernadotte, Präsidentin der Deutschen Gartenbaugesellschaft.
  • Honoriert wurde die Ausrichtung der Köllerholz-Schulentwicklung bereits im Jahr 2000 mit der „Gläsernen Tafel“ im Rahmen des Wettbewerbs „Qualität schulischer Arbeit“ des Schulministeriums NRW in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund. Hier wurden das Leitbild, die Qualitätsziele und im Besonderen die im Schulgarten verorteten praxisorientierten Lernstationen als besonders zielführend ausgezeichnet.
  • Im September 2005 folgte die Auszeichnung „Agenda 21- Schule in NRW“. Diese Auszeichnung für die Förderung der Qualität von Unterricht und Schule ist verbunden mit der Zertifizierung „Lernen für die Zukunft in der Einen Welt“ im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.
  • 2012 erhielt die Köllerholzschule die Anerkennung als „Offizielles Projekt der BNE-Weltdekade der Vereinten Nationen 2012/13“, insbesondere für die erfolgreiche Arbeit in den Klimaschutznetzwerken „BIO-SOS“ und „Prima Klima in der Offenen Ganztagsschule“.
  • 2012 und 2013 wurde die Profilarbeit der Schule jeweils mit dem Nachhaltigkeitspreis der Stadt Bochum
  • In den Jahren 2012 und 2015 erhielt die Schule jeweils die Auszeichnung „Schule der Zukunft in NRW“.
  • Alle Informationen zur Köllerholzschule unter koellerholzschule.de

 

B. Schulprogrammentwicklung – Aufgabe für die Ganztagsschule

1. Auf- und Ausbau der Ganztagsschule

Der quantitative und qualitative Auf- und Ausbau der Ganztagsschulen in Nordrhein-Westfalen seit 2003 hat den Charakter einer umwälzenden Schulreform. Ausgehend von der Idee der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche im Sinne der außerhäuslichen Betreuung entwickeln sich die Schulen zu Lebens- und Lernhäusern eigener Art. Diese Eigenart definiert der besondere Anspruch standort- und profilbildender Schulentwicklung. Deren Realisierung in qualitativ hochwertiger Form ist ausschließlich viersäulig zu erreichen. So bilden die Lehrerinnen und Lehrer, die Erzieherinnen, Erzieher und pädagogischen Fachkräfte, die Eltern und vor allem die Schülerinnen und Schüler die fundamentalen und gleichsam lebendigen Eckpfeiler der neuen Ganztagsschule.

 

2. Individuelle Förderung und Bildung

Ausgehend vom Postulat der gesetzlich garantierten individuellen Förderung und Bildung (Schulgesetz NRW § 1) ist es nunmehr unvermeidlich, die Protagonisten der Schule, die eigentlichen Schulexpertinnen und Schulexperten, die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt aller relevanten pädagogischen Umorientierungen und Neuausrichtungen zu stellen und sie gleichzeitig in hoher Graduierung zu beteiligen.

 

3. Standortplan Köllerholzschule und Werkstattarbeit

Als besonders zielführend erwies sich hier die Erstellung des „Standortplan Köllerholzschule“, der bauliche, räumliche, sozialräumliche und organisatorische Bedingungen und Möglichkeiten fundamental verankert und somit die tragfähige Basis für die Belebung der Schule bietet, sprich das gemeinsame „Leben im Lernen und Lernen im Leben“ der Kinder und Erwachsenen in ihrer Ganztagsschule. Das Schultypische, das miteinander Vereinbarte, das von weitem Sichtbare bilden  das Dach, unter dem sich alle zusammenfinden und sich im besten Sinne profilieren. Soweit die Theorie.

In der Köllerholzpraxis hieß und heißt das: Setzt euch Ziele! Eröffnet eine Werkstatt, im wahren Sinne! Vergesst die Gedankenwerkstatt nicht! Seid euch immer willkommen und genehm! Pflegt Individualität und Teams! So konnte, kann und könnte gute Schule doch gelingen. Und: Lasst die Kinder an die Macht! Oder etwas milder: Lasst die Kinder machen! In eigener Sache auf dem Weg zu sein macht doppelt Freude. Das ist die Grundidee: Alles Denken vom Kinde aus! Einfacher: Lasst doch die Kinder denken! Sie wissen genau, was sehr gut für sie ist. Und interessant: Die Ausbildungspläne passen dazu, an zweiter Stelle. Nur: Die Auswahl zu treffen ist schwer. Die Lösung, lange bekannt: Weniger ist mehr.

 

4. Qualitätsentwicklung

Die Schul- und Qualitätsentwicklung der Köllerholzschule konzentriert sich ab dem Jahr 2015 auf drei wesentliche Schwerpunkte: „Weiterentwicklung standortbezogener Lehrpläne“, „Individuelles und selbstgesteuertes Lernen“ und „Feedbackkultur“. Gesteuert wird der Prozess durch die Steuergruppe, in der neben den Pädagoginnen und Pädagogen auch die Eltern und bei Bedarf die Schülerinnen und Schüler vertreten sind. An den Pädagogischen Tagen nehmen Vertreterinnen und Vertreter der Schülerschaft grundsätzlich teil.

 

5. Themenschwerpunkte

Eine besondere Erkenntnis ist die gemeinsame Überzeugung, dass die qualitative ganztägige Schulentwicklung unter einem schulbezogenen thematischen Dach besonders effektiv gelingen kann.  „Von Köllermanns Hof 1486 bis zur Schule der Zukunft 2015 – 529 Jahre Geschichten und Geschichte“ (2015) oder „Köllerholz 2016: Grün und Gold“ (2016) bieten gemeinsame Geschlossenheit und individuelle Offenheit für Lernzeit und Freizeit am Standort. Die Mitarbeit unter dem regional verorteten Dach der „Klimametropole Ruhr 2022“ führt die Entwicklung unter dem bisherigen internationalen Dach der UN-Bildungsdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005 bis 2014) profilfördernd (BNE) fort.

                                                                                                                                                                                        

6. Gelingensfaktoren für die Schulprofil- und Schulprogrammarbeit

  • Erstellung und stetige Überprüfung des „Standortplan Köllerholzschule“: Bestandsaufnahme „von Anfang an“ (baulich, räumlich, sozialräumlich, organisatorisch, im Besonderen aber mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter), Schulgarten als Lernort, Sachunterricht als Leitfach, thematische Jahresschwerpunkte, jährliches profilbezogenes Frühjahrs- und Sommerprogramm („Schülerinnen und Schüler machen Programm“)
  • grundsätzliche Einbeziehung aller schulischen Akteure in die Schulentwicklungsprozesse (Kenntnis über die Zielführung der Profilierung, Mitwirkung aller Gremien im Rahmen der Schulmitwirkung und entsprechende Beschlussfassungen, transparente Entwicklungsprozesse unter Einbeziehung der Schulöffentlichkeit, grundsätzlicher Fokus: Verbesserung der Unterrichtsqualität und Individualisierung der Lernprozesse)
  • Berücksichtigung von Zeit und Kapazitäten (Schulentwicklung als mittel- und langfristiger Prozess, Jahres- und Dekadenplanungen)
  • dauerhafte Einrichtung der „Köllerholz-Werkstatt“ als zentrales Schulentwicklungsgremium (Beauftragung durch die Schulkonferenz, „Projektschmiede“, Teilnahmemöglichkeit für alle schulischen Akteure)
  • Entwicklung und Schärfung von Leitbild und Qualitätszielen
  • Entwicklung schuleigener Instrumente als Werkzeuge für die ganztägig orientierte Unterrichts- und Bildungsplanung (z.B. Leitfaden gestützte Lehrplan- und Unterrichtsentwicklung und Bildungsförderung)
  • Personal- und Teamentwicklung als tragfähige Basis guter Schulprogramm- und Schulprofilentwicklung

 

 

C. Multiprofessionelle Teamarbeit in der Ganztagsschule

1. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist im Rahmen des Ausbaus der Ganztagsschule (OGS) seit 2004 bis heute erheblich angestiegen. An der Schule arbeiten nun 60 Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, weiteres pädagogisches Fachpersonal, Honorarkräfte und ehrenamtlich Tätige gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern.

Der Offene Ganztag hat deutlich zur Professionalisierung, zu einem veränderten Bildungsverständnis und zu einem ganzheitlicheren Blick auf die Kinder beigetragen. Fachleute (z.B. Biologin, Schulimker, Schulhandwerker, Sportübungsleiter, Künstler) bereichern die Bandbreite der schulischen Ausbildung für die Kinder erheblich. Aber auch im Miteinander mit den Lehrkräften entstehen profilschärfende Synergien. „Gemeinsam gute Schule machen!“ wird hier tagtäglich umgesetzt und „lernende Schule“ auf allen Ebenen entwickelt.

 

2. Teambildung

Der Teamorientierung wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Vom 1. Jahrgang an aufwärts entstehen möglichst feste Teams. Zu diesen gehören Lehr- und Ganztagskräfte, die sich bei Bedarf mit der Schulleitung und der Ganztagskoordination rückkoppeln. Die Kinder haben deshalb mit bestimmten Bezugspersonen Kontakt, die sie nach Möglichkeit durch die Grundschulzeit begleiten.

Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird durch die erweiterten Teams gesteigert, ebenfalls deren Flexibilität und Arbeitsfreude. Auf der Basis bestimmter Organisationsvorgaben, die von der Schulleitung in Kooperation mit der Ganztagskoordination erstellt werden, können die Teams nunmehr ihre Arbeitskapazitäten, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten gemeinschaftlich intern regeln. Das bezieht sich auf den Unterricht, die Lernzeiten, die thematischen Angebote, das Mittagessen, die Bewegungspausen und das Freispiel. Aber auch die individuelle Förderung der Kinder und die Elternberatung und damit der Schritt hin zu einer „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“ kann jetzt einfacher vollzogen werden.

 

3. Personalausstattung

Das Personal für den Offenen Ganztag wird von der Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte (Bochum/Herne) zur Verfügung gestellt. Bei der Personalauswahl wird grundsätzlich darauf geachtet, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst in einer guten Beziehung zur Köllerholzschule stehen, um durch die vorhandene Identifikation mit der Schule die Freude an der Arbeit zu steigern und die Qualität der zu leistenden Arbeit zu optimieren. Hier stimmen sich die Schulleitung und die Trägervertreter der Arbeiterwohlfahrt jeweils vertrauensvoll miteinander ab. Die Stellen sind in der Regel mit hohen Stundenanteilen entfristet, um dauerhafte Arbeitsplätze zu generieren.

Die Personalausstattung wurde von der Arbeiterwohlfahrt verbessert und an die besonderen konzeptionellen Entwicklungen der OGS Köllerholz angepasst. Die Entwicklung einer inklusiven Bildungskonzeption im Sinne der „Schule für alle“ ist hier der Beweggrund, besonderes Augenmerk auf die Unterstützung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern zu haben, die benachteiligt sind, Handicaps haben oder des Nachteilausgleichs bedürfen. In enger Verzahnung von Vor- und Nachmittag ist hier ein drittes verantwortliches Team entstanden, das sich um die Tages- und Wochenbegleitung der Kinder kümmert. In diesem „Team Lernwerkstatt“ arbeiten der Schulleiter, eine Sonderpädagogin, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ (FSJ), Schulbegleiterinnen, Fachkräfte des Ganztagsteams und ehrenamtlich Tätige zusammen. Ziel ist es, den Kindern Möglichkeiten individueller Rhythmisierung, besonderer emotionaler Zuwendung und persönlich zugeschnittener Arbeitsweisen zu eröffnen. Das Team arbeitet in hohem Maße eigenverantwortlich, flexibel und immer auf „Spitzen“ reagierend, die sich im Besonderen aufgrund emotionaler Dispositionen bestimmter Kinder häufig ergeben.

 

4. Personalentwicklung und Kooperation

Eine Besonderheit stellt die Koordination des Ganztagsteams dar. Im Sinne der Professionalisierung und als Reaktion auf gestiegene quantitative und qualitative Anforderungen arbeiten hier zwei Fachkräfte in Vollzeittätigkeit als Koordinierungsteam zusammen. Die Aufgabenfelder sind klar definiert und betreffen zum einen die pädagogische Leitung (Erzieherin und psychotherapeutische Assistentin), zum anderen die Verwaltung (Diplomverwaltungswirtin). Hinzu kommt eine weitere Kollegin (Diplombiologin) mit einer speziell auf das Schulprofil (BNE) bezogenen Stelle, deren besondere Aufgabe die inhaltlich-thematische Verschneidung der Arbeit der Teams (Lehrerkollegium und Ganztagsteam) ist. Eine weitere Neuerung ist die zusätzliche Ausstattung von vorhandenen Stellen mit zusätzlichen fachlichen Aufgaben, zum Beispiel die konzeptionelle Planung der „Köllerholz-Elternakademie“.

Das Ganztagsteam trifft sich regelmäßig zu Mitarbeiterbesprechungen. Die Koordinatorinnen stimmen die Vorbereitung  mit der Schulleitung ab, die an den Sitzungen mitwirkt. Die Ganztagskoordinatorinnen  nehmen darüber hinaus bei Bedarf im Sinne schulischer Kooperation und Transparenz an weiteren Veranstaltungen teil (Konferenzen, Pflegschaftssitzungen, Sitzungen des Fördervereins, Qualitätsarbeitskreise).

Eine weitere zielführende Bereicherung ist ein kollegiales „Bindeglied“. Jeweils zwei Lehrerinnen und Erzieherinnen als Vertreterinnen der Teams  treffen sich zum regelmäßigen Austausch. Das schafft Akzeptanz und Synergien deutlich näher an der Basis der täglichen Arbeit über den Austausch der Leitungskräfte hinaus.

 

5. Kommunikation

Seit dem Schuljahr 2009/10 finden mehrmals jährlich Ganztagsschulkonferenzen oder Pädagogische Tage statt, an denen alle pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule (ca. 50 Personen) teilnehmen könen (Schulleitung, Ganztagskoordination, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen, Fachpersonal), bei Bedarf auch Trägervertreter der Arbeiterwohlfahrt und externe Fachleute. Diese pädagogischen Veranstaltungen werden von der Schulleitung und den Koordinatorinnen des Ganztags gemeinsam mit der schulischen Steuergruppe vorbereitet und durchgeführt. Der Teilnehmerkreis wird regelmäßig durch Elternvertreterinnen und  Elternvertreter und Schülerinnen und Schüler erweitert.

 

6. Elternberatung

Über die Elternberatung des Lehrerkollegiums hinaus stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ganztagsteams den Eltern für Gespräche zur Verfügung. Diese werden gerne genutzt, da die Beobachtungen aus der Ganztagspraxis eine ganzheitlichere Sicht auf die Kinder ermöglichen. Von besonderer Wichtigkeit ist darüber hinaus die gemeinsame Beratungstätigkeit von Lehr- und Ganztagskräften für die Eltern, vor allem für Kinder oder Familien in schwierigen Lebenssituationen.

 

7. Personalprofile

Im Rahmen der Aktualisierung des Köllerholz-Standortplanes wird das Gesamtpersonal zurzeit noch einmal intensiv in den Blick genommen. Im Sinne der Generierung positiv wirkender individueller Ressourcen und des damit verbundenen Ansatzes „Stärken stärken“ entstehen Mitarbeiterprofile, die die besonderen Fähigkeiten ausweisen. In die Erstellung werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter federführend einbezogen.

Eine gute Idee ist für uns, auch die Schülerinnen und Schüler als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzusehen, die über vielfältige Kompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Talente verfügen, welche hier und da aber noch im Verborgenen liegen. Diese klar zu erkennen oder auch neu zu entdecken und für die Schule zu nutzen ist spannend und erhält den Blick der Erwachsenen auf den Kern der schulischen Arbeit, die möglichst optimale Ausbildung eines jeden Kindes.

 

8. Gelingensfaktoren für die multiprofessionelle Teamarbeit

  • Implementierung einer transparenten Steuerung (Schulleitung, Ganztagskoordination, Eltern- uns Schülervertretung) unter Federführung einer Steuergruppe mit Beauftragung
  • Begleitung und Beratung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sinne des „Sich-Wohlfühlens in der Arbeit“ in Verantwortung der Schulleitung
  • Erstellung von Mitarbeiterprofilen, um individuelle Stärken, Fähigkeiten, Neigungen und Vorlieben gezielt und synergetisch zu nutzen
  • Übertragung von Zuständigkeiten mit Verantwortung auf die (gemischten) Teams
  • Supervision zur Teamentwicklung in der Ganztagsschule (Bezirksregierung Arnsberg)
  • „Kollegiale Fallberatung“ als teamförderliches Instrumentarium zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern in schwierigen Lebenssituationen oder mit emotional anspruchsvollen Dispositionen

 

D. Partizipation von Schülerinnen und Schülern und Rhythmisierung

1. Schülerinnen und Schüler machen Programm

„Schülerinnen und Schüler machen Programm“ ist seit nunmehr 16 Jahren der Untertitel des jährlich stattfindenden öffentlichen Frühjahrs- und Sommerprogramms der Köllerholzschule. Er ist gleichsam aber auch der programmatische Hinweis, den Kindern in der Ganztagsschule Zeit und Raum zu geben, sich „zu entfalten“. Zeit und Raum ist ausreichend vorhanden, eigentlich im Übermaß, wenn man die klassische Halbtagsschule als Vergleich heranzieht. Der Zeitrahmen von 7.15 bis 16.00 Uhr, fünf Tage lang in jeder Woche, hält jedem Vergleich mit der Vollzeittätigkeit eines erwachsenen Arbeitnehmers stand. Er kommt einer 40-Stunden-Woche gleich, die dem Arbeitnehmer zustehende Pausenzeit von täglich 45 Minuten bereits herausgerechnet. Nun sind die den Erwachsenen anvertrauten jungen Kinder allerdings keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in profitorientierten Betrieben im Rahmen freier Marktwirtschaft.

Im Gefüge von täglicher Lernzeit und Freizeit sind Profit und Freiheit in der sich zunehmend professionalisierenden eigenständigen Ganztagsschule in klar definierten Leitbildern und Qualitätszielen zu setzen, die es ermöglichen, jedwede pädagogische und organisatorische Maßnahme dauerhaft in den Fokus der Maxime zu stellen „Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt aller Entscheidungen“.

 

2. Lernen im Leben

Wenn die Partizipation von Schülerinnen und Schülern ausschließlich gleichgesetzt wird mit Klassenräten und Schülerparlament, dann verharrt die Ganztagsschule leblos und an Defiziten orientiert. Wenn die Kinder der 1. Klassen in die Ganztagsschule eingeschult werden, wissen sie nur zu genau, was sie wollen. Sie wollen Lesen lernen, Schreiben und Rechnen. Sie freuen sich auf ihre Lehrerin und auf das Spielen mit Freundinnen und Freunden auf dem Schulhof. Gar nicht so anspruchsvoll? Im Gegenteil! Verbirgt sich doch als Anspruch dahinter das zunächst unsichtbare systemische Netz, das diese Kinder auffängt und ihnen Halt gibt, in der Schule nicht nur zu lernen, sondern auch zu leben. Die komprimierende Formulierung „Lernen im Leben – Leben im Lernen“ von Otto Herz als Anspruch an die „gute Ganztagsschule“ ist die Aufforderung, die Kinder von vornherein, dauerhaft und diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördernd einzubeziehen.

 

3. Lernzeit und Freizeit

In einer Befragung von Erstklässlerinnen und Erstklässlern der Köllerholzschule zum Übergang von der Elementarstufe in die Primarstufe, in etwa formuliert als „Was gefällt euch in der Schule besser als in der KITA? Was gefiel euch in der KITA besser als in der Schule?“ waren drei Ergebnisse prägnant. Alle hoben mit Blick auf die Schule gleich hervor, dass die größeren Räume und Plätze, innen und außen, sie fasziniere und ihnen Bewegungsfreiheit ermögliche. Fasziniert waren sie auch von der Tatsache, sich zu enger Kontrolle durch Erwachsene besser entziehen zu können. „Wir können mehr machen, was wir wollen“, da waren sie sich auch einig.

„Mehr machen, was wir wollen“. Dahinter stecken gute Absichten. Absichtsvoll ist das ein guter Slogan für Lern- und Freizeit in der Ganztagsschule! Wenn es gelingt, die überaus positive Schulorientierung der neu ankommenden Schülerinnen und Schüler dauerhaft und gut gelaunt zu stabilisieren, dann sollte gute Schule möglich sein.

Partizipation von Schülerinnen und Schülern muss aber auch in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnen, die mit ihrer Haltung den Kindern signalisieren, dass sie Begleiterinnen und Begleiter und Förderinnen und Förderer sind. Zu Tage gefördert werden können dann wahre Schätze. Man muss die Kinder nur machen lassen!

 

4. Partizipative Didaktik

Dieses „Machen lassen“ als partizipativer Grundansatz betrifft gleichermaßen Lernzeit (als ein Begriff für Unterricht und Hausaufgabenzeit) und Freizeit. Zunächst muss der Unterricht in allen Arrangements individuell orientiert sein, Teamarbeit fördern, selbstgesteuerte Lernprozesse ermöglichen und frei von Zeitdruck sein.

Das sind für die Pädagoginnen und Pädagogen Herausforderungen, die ein Höchstmaß an didaktischer Kenntnis, organisatorischer Flexibilität und begleitender Kreativität erfordern. Die Lösung liegt im „Zulassen“ und der altbekannten reformpädagogischen Wahrheit „Weniger ist mehr“. Wenn die Kinder weniger machen (müssen), dies jedoch höchst intensiv, dann wird aus dem „Weniger“ das „Mehr“, somit der Ertrag entstehen, der grundsätzlich wie von selbst auf fächerübergreifendem Wege automatisch eingebracht wird.

Der „Forschungsauftrag“ ist in diesem Zusammenhang ein wunderbares Beispiel. Die Kinder interessiert, wie das so immer ist, ein bestimmtes Thema, das ihnen „im Leben“ begegnet. Dies bringen sie nun mit in das Schulleben, in ihre Klasse oder Gruppe, zur Lehrerin oder zum Lehrer. In der Regel haben sie einen dazu passenden Gegenstand dabei, eine Abbildung, eine Zeichnung oder einfach den guten Gedanken. Diesen „fruchtbaren pädagogischen Moment“ gilt es nun zu nutzen und das Höchstmaß der kindlichen Motivation als Antrieb zu nehmen für die individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema, mit einer Sache, das oder die das Kind wirklich interessiert. So kann ein Lernarrangement entstehen, ein Lernszenario, in dem das Kind Herr der Entscheidungen ist.

Der Rahmen dafür, auch zeitlich und organisatorisch, bedarf der Absprache mit der Lehrkraft und in der Folge mit weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Beispiel im Bereich der nachmittäglichen Lernzeiten. Die Lehrkraft nimmt zunächst die Idee entgegen. Wie lautet der daraus hervorgehende „Forschungsauftrag“ genau? Arbeitet das Kind allein, mit Partnerin oder Partner, im Team? Innerhalb welcher Zeit soll der Auftrag bearbeitet werden? Wie und wann wird präsentiert?

Der Brückenschlag in die Lernzeiten außerhalb des Klassenunterrichts fällt nun leicht. Zeit und Raum sind da. Die Schülerinnen und Schüler aber stehen in der gewachsenen Verantwortung, diese auch adäquat zu nutzen. Das erfordert Selbstständigkeit und steigende Selbstorganisation. Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, Ansprechpartner zu sein, Lern – und Projektberatung zu geben, Materialwünsche zu befriedigen oder Recherchemöglichkeiten zu eröffnen (Schülerbibliothek, Internet, etc.).

 

5. Freiräume und Rhythmisierung

Eine gut organisierte Ganztagsschule erleichtert den Kindern den Schulstart ungemein. Dazu gehören auch die vielfältigen inhaltlichen Angebote. Deutlich wird aber auch, dass die Kinder im Laufe der Zeit ihre persönlichen Freiräume benötigen und diese dann auch einfordern. Wenn Partizipation von Kindern im Rahmen der Offenen Ganztagsschule eine Rolle spielen soll, dann bedarf es der genauen und gemeinsamen Analyse aller verantwortlichen erwachsenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie den Kindern dies ermöglicht werden kann.

Für den organisatorischen Rahmen hat das entsprechende Auswirkungen. Es ist nicht immer einfach, im Rahmen dieses dynamischen Gefüges mit gestiegenen Teilnehmerzahlen alle Kinder „im Blick“ zu haben, ihnen gleichermaßen gerecht zu werden und ihnen entsprechende Freiräume und Möglichkeiten zur individuellen Betätigung zu ermöglichen. Von entscheidender Bedeutung ist hier die Tatsache, dass auch Kinder im Ganztag bestehende Freundschaften pflegen und neue Freundschaften bilden wollen. Dazu bedarf es auch der entsprechenden Rückzugs- und Entfaltungsmöglichkeiten. „Versierte Ganztagskinder“ loten diese selbstständig aus. Im persönlichen Zeitplan können die Anteile entsprechend gewichtet werden.

 

6. Schülervertretung

An dieser Stelle ist es förderlich, die Schülervertretung einzubeziehen. Hier kann in den Klassenräten zum Thema Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der Ganztagsschule diskutiert werden. Noch besser: Es muss diskutiert werden, sieht der NRW-Ganztagsschulerlass die Mitwirkung der

Schülerinnen und Schüler doch explizit vor. Im Schülerparlament erfolgen dann die Abstimmungen der Klassenvertreterinnen- und Vertreter untereinander. Hier sprechen 24 Kinder miteinander. Je ein Mädchen und ein Junge aus allen 12 Klassen, von 1a bis 4c, in der Regel zwischen 6 und 10 Jahren alt, manchmal auch zwischen 5 und 11, müssen sich hier verständigen. Das ist nicht immer so einfach und bedarf der Begleitung.

Als positiv herausgestellt hat sich an der Köllerholzschule das Mitwirken des Schulleiters, der gern gesehen wird im Gremium der Schülerinnen und Schüler und von diesen geschätzt wird als profunder Ansprechpartner. Im Umkehrschluss ist es genauso. Der Schulleiter hat die gute und regelmäßige Gelegenheit, am Puls seiner Ganztagsschule zu sein, indem er seine jüngsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Anliegen im Rahmen seiner lernenden Organisation besonders ernst nimmt. Trotzdem dürfen Spaß und Freude in der Diskussion nicht zu kurz kommen, denn in der Ganztagsschule sind die Sitzungen so platziert, dass sie in der Regel am Nachmittag stattfinden, um ihnen den Charakter einer Besonderheit zu geben, da die Kinder „zu einem wichtigen Termin“ gehen. In der Offenen Ganztagsschule heißt das, dass auch Kinder am Nachmittag wieder in die Schule kommen, die als Abgeordnete ihrer Klassen gewählt wurden, aber nicht täglich bis 16 Uhr in der Schule sind. Das gilt es vor Annahme der Wahl zu bedenken.

 

7. Selbstbestimmtheit

Von wesentlicher Bedeutung ist das Recht der Kinder, im Rahmen der Ganztagsschule selbst über ihre Tages- und Wochenplanung zu bestimmen. Das dies nicht zu hundert Prozent möglich ist, hat zum einen mit der notwendigen Grundorganisation zu tun (z.B. Essenszeiten), aber auch mit der Idee, dass sich die Kinder mit ihren Eltern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Planung besprechen und vereinbarend absprechen. So entsteht für jedes Kind ein individueller Wochenplan mit Ganztagsbezug (Unterricht, Lernzeit, Freizeit).

Die Kinder der 1. Klassen haben nach Schuleintritt die Möglichkeit zu „schnuppern“. Sie werden von festen Bezugspersonen begleitet, in das Gesamtsystem eingeführt und können sich zunächst einmal alles in Ruhe ansehen und Neues entdecken. Im Besonderen können sie die thematischen Angebote (z.B. Sport, Schwimmen, Kunst, Theater, Kochen, Gartenarbeit, Forschen, Walderkundung) kennen lernen, bevor sie sich ab dem Zeitraum nach den ersten Herbstferien entscheiden. Ab diesem Zeitpunkt sollen sie sich dann jeweils für ein Quartal auf ein thematisches Angebot festlegen.

 

8. Flexibilisierung der Lernzeiten

Ein wesentlicher Gelingensfaktor ist die Flexibilisierung der Lernzeiten am Nachmittag. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich einer festen Gruppe zuzuordnen, in der Regel ihrer Klasse oder Bezugsgruppe im Unterrichtsbereich, die sie zu festen Zeiten aufsuchen können. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit in der Zeit zwischen 12.00 und 16.00 Uhr zu anderen Zeiten an der Lernzeit teilzunehmen. Dies hat den Vorteil, dass die Kinder auch an den thematischen Angeboten, Arbeitsgruppen oder Projekten teilnehmen können, die ansonsten mit der festgelegten Lernzeit der Stammgruppen kollidieren.

Die erweiterten Lernzeiten bieten auch die förderliche Möglichkeit, in Ruhe anzukommen, sich zu orientieren und zu organisieren, sich frei zu machen vom Zeitdruck auch administrativer Vorgaben, um dann gut konzentriert und damit einhergehend möglichst gut gelaunt zu arbeiten. Hier kann ebenfalls in kleineren Gruppen mit besonderer Personalausstattung gearbeitet, gelernt und gefördert werden.

 

9. Biorhythmen

Auch die Biorhythmen der Kinder sind sehr unterschiedlich. Lernt ein Kind am frühen Nachmittag gerne und effektiv, so lernt ein anderes eher am späteren Nachmittag nach viel Bewegung im Freispiel gut. Hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den nachmittäglichen Lernzeiten (Lehrerinnen und Lehrer und pädagogische Fachkräfte) immer ansprechbar und flexibel.

 

10. Perspektiven der rhythmisierten Ganztagsschule

Aktuell unterziehen wir unsere Lern- und Freizeiten in der Ganztagsschule im Rahmen der Schulentwicklungsprozesse einer Gesamtprüfung. Vor dem Hintergrund der Aufgaben „Individualisiertes und selbstgesteuertes Lernen“, „Feedbackkultur“ und „Entwicklung schuleigener Lehrpläne“ sollen die Schülerinnen und Schüler noch intensiver partizipieren. Sie sollen perspektivisch in der Lage sein, ein möglichst hohes Maß an Selbsttätigkeit zu erlangen. Dazu öffnen wir ihnen Räume, sächlich und zeitlich.

Die realen Räume sind Räume der Ruhe und Stille, Projekträume, Werkräume, Räume der Künste, Räume der Musik und der Bewegung. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es, die Räume passgenau zur anstehenden Arbeit oder Aufgabe zu wählen. Dort werden sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfangen, begleitet und beraten.

Eine entscheidende Aufgabe haben die Lehrerinnen und Lehrer. Die Art und Weise ihres Unterrichts in den Klassen und Gruppen wirkt bestimmend in den Ganztag. Hier entscheidet sich, wie offen und individuell gearbeitet wird. Hier entscheidet sich der Ausprägungsgrad der Partizipation. Hier entscheidet sich die Belebung der Maxime „Weniger ist mehr“. Hier entstehen Bildungs- und Förderpläne. Hier entstehen, im Idealfall, die notwendigen Beziehungen.

Insgesamt verfolgen wir die Idee, dass Ganztagsschule als Offene Ganztagsschule kein Bildungsgefälle verursacht, indem ein Teil der Kinder deutlich mehr Angebote und Unterstützung erhält als andere. Wir tolerieren in besonderer Weise die Lebensentwürfe der Familien und machen uns stark für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir freuen uns über jedes Kind, das ganztägig bei uns ist. Wir finden es ebenso völlig in Ordnung, wenn Kinder „klassisch“ nach dem Unterricht nach Hause gehen und dort ihr im Kreis der Familie oder eines Teils der Familie zu Mittag essen und ihre Hausaufgaben machen. Aber wir bieten die besondere Möglichkeit, dass diese Kinder am Nachmittag zurück in unsere Schule kommen, teilhaben an interessanten Angeboten und Freundschaften pflegen.

Rhythmisierte Ganztagsschule heißt für uns nicht, dass wir unterschiedliche und zum Teil in Klassenzügen geschlossene Systeme organisieren. Rhythmisierte Ganztagsschule heißt für uns, in jedem Fall vom einzelnen Kind aus zu denken, es entscheidend zu beteiligen und zu überlegen und miteinander zu beraten, welche Tages- und Wochenstruktur welches Kind benötigt, welche und wie viele Bezugspersonen ihm zuträglich sind und was, wie und wo es am besten lernt.

 

11. Gelingensfaktoren für die Partizipation von Schülerinnen und Schülern und die Rhythmisierung in der Ganztagsschule

  • Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an den Schulentwicklungsprozessen und an der Schulprogrammentwicklung
  • Übertragung von Verantwortlichkeiten auf die Schülerinnen und Schüler im Sinne der Förderung von Gestaltungskompetenzen
  • Demokratisierung der Schule durch Implementierung von Schülergremien (Klassenräte, Schülerparlament)
  • Mitspracherecht der Schülerinnen und Schüler bei der Ausgestaltung der Ganztagsschule (gem. Ganztagsschulerlass NRW)
  • Das Recht auf Individuelle Förderung und Bildung (Schulgesetz NRW § 1) als Grundmaxime für alle die Kinder betreffenden Entscheidungen, Planungen und organisatorischen Maßnahmen ernst nehmen
  • Flexibilisierung von Lernzeit und Freizeit

 

E. Individuelle Förderung – Schule für alle – Lernzeit und Freizeit – Schule als Lernwerkstatt          

1. Schule für alle und echte Teilhabe

 „Schule für alle“ war bereits lange vor Umsetzung der Inklusion im Sinne echter Teilhabe das Markenzeichen der Grundschulen. Hier lernten schon immer fast alle Mädchen und Jungen zusammen, die im Anschluss nach Eintritt in die Sekundarstufe im dreigliedrigen Bildungssystem zwangsläufig voneinander getrennt wurden. Von daher ist die Grundschule die eigentliche „klassische Gesamtschule“. In der nun inklusiven Schule wird dieser Gedanke noch einmal geschärft, wenn eine echte „Kultur des Behaltens“ vorhanden ist.

 

2. Anspruch der individuellen Förderung

Der Anspruch der individuellen Förderung ist vor diesem Hintergrund ein außerordentlich hoher. Die Klage über mangelhaft zur Verfügung gestellte Ressourcen, seien es personelle, finanzielle, sachliche oder räumliche ist nachvollziehbar und politisch zu führen. Verantwortlich denkende erwachsene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich daher in Verbänden und Gewerkschaften, Eltern in ihren Mitwirkungsgremien und übergeordneten Verbänden. Die daraus resultierenden Erfolge wirken eher mittel- oder langfristig und nicht unmittelbar.

Unmittelbar vor Ort, in der täglichen Ganztagsschularbeit, bedarf es ohne Abstriche der Aufwendung aller zur Verfügung stehenden Energien aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die vielfältigen täglichen, im Besonderen emotionalen Herausforderungen zu bestehen. Die Richtlinien für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen sprechen im 3. Kapitel von „Vielfalt als Chance und Herausforderung“. Genau hier liegt der Schlüssel zum Gelingen.

 

3. Lernwerkstatt

Die Lernwerkstatt der Köllerholzschule ist notwendig entstanden, um die Herausforderungen zu bestehen. Die größte ist die Heterogenität der Schülerschaft. Neben der gesamten Bandbreite gegebener Begabungen, Talente und Lerntypen kommen vielfältige emotionale Dispositionen in bisher nicht bekannten Dimensionen hinzu. Gemeint sind hier besonders die Kinder, deren Verhalten uns so fremd ist und das auf uns befremdlich wirkt. Die es nicht schaffen, am Morgen den Klassenraum zu betreten. Die es nach der ersten oder zweiten Unterrichtsstunde im Klassenraum nicht mehr aushalten. Die weglaufen vor der Gemeinschaft und vor sich selbst. Die gewalttätig andere Kinder und Erwachsene schädigen. Die zu schulischen „Schreckgespenstern“ werden und in kürzester Zeit der ganzen Schulgemeinde bekannt sind. Die einsam sind, voller Ängste, sich selbst nicht kennen und mögen und immer noch keinen Platz gefunden haben in ihrem eigenen jungen Leben. Die sich nichts sehnlicher wünschen als Anerkennung, Freundschaften und gute Beziehungen. Die sich keinesfalls am Morgen vornehmen, in der Schule negativ im Mittelpunkt zu stehen. Die sich aus den gewachsenen Mustern und Strukturen nicht lösen und befreien können. Die dringend Hilfe, Unterstützung, kurzum gute Beziehungen brauchen.

 

4. Nachhaltige Lernprozesse

Über die im Idealfall gute Beziehung zur Klassenlehrerin hinaus bietet das multiprofessionelle Team Lernwerkstatt (u.a. Schulleiter, Sonderpädagogin, Lehrerin, Schulhandwerker, Biologin, Schulimker, bildender Künstler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ (FSJ), Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter, Ehrenamtliche) den Kindern die Möglichkeit, je nach persönlichen Bedarfen, Interessen, Neigungen, Talenten oder Vorlieben gute Beziehungen zu knüpfen und damit verbunden in nachhaltigen Arbeitsprozessen aktiv zu sein. Zeitlicher Schwerpunkt der Lernwerkstatt ist die Phase von 10.00 bis 12.00 Uhr. Je nach Bedarf beginnt die Werkstatt auch schon früher, etwa zum Schulbeginn um 8.00 Uhr oder sie wird in den Nachmittagsbereich ausgeweitet. Diese ganztägige Ausrichtung ist zwischen der Schulleitung und der Betriebsleitung des Ganztagsträgers Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte abgesprochen, entspricht dem Rhythmus der Kinder und somit den Merkmalen in den schülerorientierten Vorgaben des Ganztagsschulerlasses NRW.

In der Lernwerkstatt können die Kinder beispielsweise in der Holzwerkstatt, in der Imkerei oder im Schulgarten tätig sein. Diese Arbeiten liegen im  Vormittagsbereich parallel zum Klassenunterricht. Im Sinne einer Priorisierung „verpassen“ die Kinder nichts, sondern arbeiten fächerübergreifend effektiv in auf sie zugeschnittenen Lernarrangements. Tätig sind hier mittlerweile ganz unterschiedliche Kinder, etwa hochbegabte oder solche mit sonderpädagogischen Förderbedarfen. Die Arbeitsprozesse, die Ergebnisse und Produkte werden nach Möglichkeit dokumentiert. Hier spielen die Portfolios eine besondere Rolle.

 

5. Schülerfirma

Zurzeit befindet sich die erste Schülerfirma der Köllerholzschule in der Aufbauphase. Ausgangspunkt war die Arbeit in der Holzwerkstatt, verbunden mit der Idee, Werkstücke anzufertigen und zu präsentieren. Die Idee, diese zu verkaufen, schloss sich an, da zum Beispiel den Eltern die Werkstücke gut gefielen. So wurde die „Firma“ durch die Schulleitung mit Finanzmitteln ausgestattet, um die benötigten Grundmaterialien anzuschaffen.

Nötig war hier natürlich eine Planung und Kalkulation mit den Kindern, womit unmittelbar der Einstieg in ein fächerübergreifendes Projekt entstand. Die Rollenfindung für die Kinder war hier wichtig. Es stellte sich schnell heraus, an welcher Stelle sie sich passend in das Team einbringen konnten. So gibt es den versiert berechnenden Planer, den praktisch versierten Handwerker, den Chronisten oder den Marketingspezialisten. Aktuell produziert die Firma u.a. Gartenmöbel. Hinzu kommen die Schulimkerei mit ihren Produkten und der Verkauf von Fair-Trade-Produkten. Die Gewinne gilt es also gut zu verwenden. Überschüsse kommen im Sinne des Schulprofils der internationalen Partnerschaft mit dem „Kindergarten Wattenscheid in Gambia e.V.“ zu Gute.

 

6. Vom Dreiklang zum Zweiklang

Die qualitativ gut ausgebaute Ganztagsschule verändert ihre (auch gedankliche) Struktur vom Dreiklang „Unterricht – Lernzeit – Freizeit“ hin zum Zweiklang „Lernzeit – Freizeit“. Dieser Prozess vollzog sich in der schulischen Praxis über ein Jahrzehnt der Gründung, der Pionierarbeit und des quantitativen Ausbaus hin zum aktuellen Anspruch, auf der nun erstellten Basis qualitativ zuzulegen.

Die entscheidende Grundbedingung dafür ist das vertrauensvolle Zusammenwirken von Schule und  Jugendhilfe innerhalb des Systems Schule in nunmehr gewachsenen Teams, die sich respektieren und miteinander zum Wohl der Schulkinder effektiv kooperieren. Das Mitwirken der Eltern und im Besonderen der Schülerinnen und Schüler im Sinne der partizipativen Erlassvorgaben zur Ganztagsschule in Nordrhein- Westfalen ist hier unerlässlich.

 

7. Gelingensfaktoren für die individuelle Förderung in der Ganztagsschule für alle

  • Entwicklung des Leitbildes „Schule für alle“ im Sinne echter Teilhabe
  • Entwicklung der „Kultur des Behaltens“ als Grundvoraussetzung der inklusiven Schule
  • Ausbau der Schule als Werkstatt als Sinnbild der lernenden Organisation
  • Anerkennung der Schülerinnen und Schüler als Protagonistinnen und Protagonisten innerhalb der sich entwickelnden Ganztagsschule

 

F.  Zusammenarbeit mit Eltern in der Ganztagsschule

1. Partizipation von Anfang an

Von Anfang an werden die Kinder und Eltern partizipierend einbezogen. Herzstück der Kooperation ist die „Köllerholz-Werkstatt“, die im Sinne einer Steuergruppe (Eltern und Großeltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Schülerinnen und Schüler, Ehrenamtliche) nach Abstimmung mit den schulischen Gremien übergreifende Projekte initiiert, begleitet und durchführt (z.B. Jahresprogramm oder naturnahe Schulhofumgestaltung).

Besonderen Wert legt die Schule auf die Zusammenarbeit mit den Eltern im Sinne einer „Bildungspartnerschaft von Anfang an“ bereits lange vor dem Schuleintritt. Dazu wurde ein chronologisches und vertrauensbildendes Verfahren entwickelt, um vorschulische und schulische Bildung zum Wohle der Kinder miteinander zu verbinden und um im Besonderen den Gedanken der Inklusion über das gemeinsame Lernen (Gemeinsamer Unterricht für Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf) hinaus zu schärfen.

Sämtliche Vorgaben, Informationen, Vereinbarungen oder Bildungspläne sind Bestandteil des „Elternportfolio Köllerholz“, das alle Eltern im Rahmen des Einschulungsverfahrens erhalten und über den Verlauf der Grundschulzeit ihrer Kinder führen und erweitern. Die Inhalte des Portfolios werden grundsätzlich mit Beteiligung der Eltern innerhalb der schulischen Qualitätsarbeitskreise entwickelt.

 

2. Schwerpunkte der Bildungsarbeit

Über die Schulmitwirkung und die „klassische“ Elternarbeit hinaus lassen sich zusammenfassend folgende Schwerpunkte für die Kooperation und Bildungsarbeit mit den Eltern benennen:

  • schulspezifisches Übergangsverfahren Kindertageseinrichtungen – Köllerholzschule
  • Elternportfolio im Rahmen der Erziehungs- und Bildungsvereinbarungen
  • Mitwirkung bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung (z.B. Köllerholz-Werkstatt, jährliches Frühjahrs- und Sommerprogramm, offene Qualitätsarbeitskreise)
  • Mitwirkung bei der Qualitätsentwicklung des Offenen Ganztags (z.B. Durchführung themenbezogener Ferienprogramme, Gesprächskreise im Rahmen der schulischen Elternberatung)
  • fachliche Beteiligung in der schulischen Steuergruppe
  • themenspezifische Elternbildungsangebote
  • Köllerholz-Elternakademie

 

3. Vielfalt und Vertrauen

„Vielfalt als Chance und Herausforderung“ (Richtlinien für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, Kapitel 3) beschreibt in fünf Worten den zentralen Auftrag für alle in der Grundschule tätigen Akteure. Dieser birgt in Kombination mit dem Postulat der individuellen Förderung, das im Schulgesetz NRW (§ 1) rechtlich grundgesetzt wird die Basis für die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten in unserer Schule.

Das Einschulungsverfahren der Köllerholzschule beginnt deshalb in Angebotsform bereits lange vor dem Schuleintritt im Sinne eines niedrigschwelligen Zugangs für Kinder, Eltern und Großeltern. Besonders dafür geeignet ist das jährliche öffentliche Frühjahrs- und Sommerprogramm, das seit 16 Jahren vielfältige profilbezogene Angebote und Veranstaltungen bereithält, die in der Köllerholz-Werkstatt erdacht und von der Schulgemeinde organisiert werden. Diese finden zumeist im Schulgarten statt, der gleichzeitig grünes Klassenzimmer, Erholungs- und Begegnungsraum ist und verbinden Vor- und Nachmittage miteinander.

In ungezwungener Atmosphäre können dort auch die Vorschulkinder mitspielen, forschen und „tüfteln“ oder Aufführungen erleben. Die Kindertagesstätten werden darüber hinaus zu besonderen Veranstaltungen (z.B. Forschertage) für die zukünftigen Schulanfängerinnen und Schulanfänger eingeladen, die von den Schülerinnen und Schülern der 2.  Klassen, den zukünftigen Patinnen und Paten, vorbereitet werden. Auch die Eltern sind dann selbstverständlich herzlich willkommen.

Das regelmäßig stattfindende Café Köllerholz bietet ebenfalls vielfache Möglichkeiten der Begegnung, des Gesprächs und des geselligen Beisammenseins für „Alte und Neue“. In angenehmer Umgebung spricht man ungezwungener, „lockerer“ und auf Augenhöhe miteinander.

Diese Situationen nutzen Eltern von Vorschulkindern gerne für den Austausch mit Eltern von Schulkindern. Hier werden Erlebnisse und Erfahrungen mitgeteilt, hier wird Ganztagsschule bewertet, hier berät man sich miteinander. Oftmals nutzen Eltern aber auch diese Möglichkeiten zum Gespräch und Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule, mit der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ganztagsteams. Ihnen fällt es dann leichter, sich emotional zu öffnen und über ihrVerunsicherungen, Sorgen und Ängste zu sprechen, die sie oftmals plagen, wenn sie an die Zukunft ihrer Kinder denken.

Die Empathie und das Verständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb des multiprofessionellen Teams wirken öffnend und verbindlich. Das Vereinbaren von informellen Gesprächsterminen schon vor dem Start des kommunalen Einschulungsverfahrens gelingt hier einfach. Die Eltern schätzen den Wert dieser Nachfolgegespräche, da ihnen Wertschätzung und Willkommenskultur begegnen. Bereits jetzt beginnen vertrauensvolle Zusammenarbeit und gemeinsame Beratung über vorschulische Fördermöglichkeiten. Die Schulleitung und die Ganztagskoordinatorinnen spielen dabei eine wesentliche Rolle, indem sie echte Kommunikation fördern, die in alle Bereiche der Ganztagsschule hineinwirkt, weil die Kinder in ihrer Gesamtpersönlichkeit ernst und frühzeitig fürsorglich in den Blick genommen werden.

 

4. Beratung durch Expertinnen und Experten

Eltern sind Experten für Kinder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Experten für Schule. Dies miteinander effektiv zu verbinden ist der Schlüssel für echte Kommunikation und für synergetische Effekte zum Wohl der uns anvertrauten Kinder in unserer Schule. Ein weiterer Schlüssel ist die Ausschöpfung der Möglichkeiten der Köllerholzschule als Schule des gemeinsamen Lernens für Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf für den Stadtbezirk Bochum-Südwest.

Eltern haben das gute Gefühl, dass ihr Kind vorurteilsfrei in die Schule aufgenommen wird, von Expertinnen und Experten begleitet wird und mit seinen Freundinnen und Freunden im unmittelbaren Umfeld verbleiben kann. „Schule für Alle“ zu sein ist deshalb auch eines der wichtigsten Qualitätsziele unserer Schule.

Der Personalentwicklung kommt in diesem Zusammenhang wichtige Bedeutung zu. Zum einen wird Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine sehr gute Beziehung zu „ihrer Schule“ haben. Zum anderen bedarf es der teamorientierten Multiprofessionalität. So arbeiten an unserer Schule Lehrerinnen und Lehrer, Sonderpädagoginnen, Diplompädagoginnen, Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen, Heilpädagoginnen, Diplombiologin, Schulhandwerker, Integrationshelfer, junge Erwachsene im freiwilligen sozialen Jahr, Studentinnen und Studenten, Küchenfachkräfte, Seniorexperten und viele weitere in einem gewachsenen Gesamtteam miteinander.

Der gesamte Einschulungsprozess (siehe chronologische Tabelle) vollzieht sich in der Regel über mindestens 2 1/2 Jahre vor dem ersten Schultag. Er dient grundlegend dem „Ankommen“ der Kinder und Eltern. Hier wird nicht vordergründig stigmatisierend diagnostiziert und therapeutisch beraten. Hier wird in aller Regel das gute Gefühl vermittelt, willkommen und „zu Hause“ zu sein. Hier wird wenn nötig aber auch Hilfe angeboten, indem die kommunalen Vernetzungsstrukturen mit anderen Einrichtungen genutzt werden.

Das Mitwirken der älteren Schülerinnen und Schüler ist von entscheidender Bedeutung. Sie empfangen die Vorschulkinder und deren Eltern freundlich und zuvorkommend (z.B. zum Anmeldegespräch oder zum Schulspiel), denn sie repräsentieren ihre Schule voller Überzeugung. Die zukünftigen Schulanfängerinnen und Schulanfänger ergreifen die „ausgestreckten Hände“ gerne und machen sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg. Und während diese gemeinsam alle Nischen und Winkel der Schule und des Außengeländes erkunden oder den „Dschungel“ in der Sporthalle im Rahmen des Schulspiels erforschen, haben die Eltern die Gelegenheit, sich in aller Ruhe mit der Schulleitung zu beraten oder im Café Köllerholz auszutauschen.

Die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen gestalten auch Schule für die „Neuen“ und deren Eltern, indem sie die Einschulungsfeier vorbereiten. Selbst die Gesamtmoderation wird hier von den Schülerinnen und Schülern geleistet und vermittelt ein Bild davon, wie kompetent, gebildet und selbstbewusst junge Menschen sind. Man muss sie nur vertrauensvoll machen lassen!

 

5. Mitwirkung mit Wirkung fördert Bildung

Die Köllerholzschule bietet den Eltern, auch den Eltern von Vorschulkindern grundsätzlich die Möglichkeit sich an den Schulentwicklungsprozessen zu beteiligen. Die Steuergruppe organisiert mit Votum der Schulkonferenz offene schulische Arbeitskreise, an denen alle Mitglieder der Schulgemeinde teilnehmen können und in die auch die Schülerinnen und Schüler einbezogen werden. In den Arbeitskreisen wird an gutem Unterricht (z.B. Schülerzentrierung, aktive Lernprozesse, Portfolioarbeit), an transparenter Leistungsbewertung (z.B. Noten- und/oder Textzeugnisse, Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler, Mitwirkung des Ganztagsteams), an der Partizipation der Schülerinnen und Schüler in der Ganztagsschule (z.B. Schülerparlament) oder an Praxisprojekten (z.B. Bau einer Werkstatt im Schulgarten) gearbeitet.

Diese transparente Arbeit mit der Möglichkeit einer breiten Beteiligung wirkt beruhigend, nimmt Ängste und bündelt vielfältige Kompetenzen der Beteiligten zum Wohl der Kinder. Sie trägt zur Bildung der Kinder bei und bildet gleichzeitig alle Beteiligten.

 

6. Onlineservice und Kommunikation

Von erheblicher Bedeutung für die Kommunikation zwischen Eltern und Schule ist unser Internetauftritt (www.koellerholzschule.de). Neben einem umfassenden Überblick über das Leben und Lernen in unserer Ganztagsschule bietet er stets aktuelle Berichte. Gerade vor dem Schuleintritt ihrer Kinder nutzen die Eltern ihn als Onlineportal. Die Intensität der Nutzung wird in den Anmeldegesprächen deutlich, in denen sich die Eltern bereits sehr gut informiert zeigen.

Besonders schätzen die Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder per elektronischem Anmeldeformular anmelden zu können und die entsprechenden Bestätigungen des Eingangs per Mail. Auch das Kontaktformular wird rege genutzt, da eingehende Mitteilungen und Anfragen von der Schulleitung zügig bearbeitet und beantwortet werden. Hier bestätigt sich die Wichtigkeit unseres Anliegens, den Nutzern einen schnellen und zeitgemäßen Kommunikationsservice zu bieten.

Neben der Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung unserer Arbeit bietet der Internetauftritt den Eltern ebenfalls die Möglichkeit, über ein modernes Medium am Schulleben ihrer eigenen Kinder teilzunehmen. Das zeigt sich statistisch im Besonderen bei den Zugriffen auf bestimmte Seiten, zum Beispiel auf das „Foto der Woche“ oder das „Frühjahrs- und Sommerprogramm“ und steigert erheblich die Identifikation mit der Köllerholzschule, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Eltern ihre Kinder wohlüberlegt anvertrauen. Ebenfalls von Bedeutung ist für die Eltern die Wertschätzung der eigenen Mitarbeit, indem über ihre Unterstützung der gemeinsamen schulischen Arbeit entsprechend berichtet wird.

 

7. Probleme als Wegweiser

Schulische Prozesse in all ihrer Komplexität vollziehen sich niemals problemlos, gerade beim möglichst effektiven Zusammenwirken vieler Akteure und Partner zur Erzielung von Entwicklungs- und Lernfortschritten bei den Schülerinnen und Schülern. Immer wieder einmal wird deutlich, dass

die Beteiligten, zum Beispiel Lehrkräfte und Eltern, sich „nicht verstehen“, weil sie sozialisationsbedingt oder milieugegeben „andere Sprachen sprechen“.

Dies zu erkennen ist eine wichtige Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier empathisch zu „übersetzen“, indem man professionell den Blickwinkel ändert, sich in seine Gesprächspartnerin oder seinen Gesprächspartner hineinversetzt und diesem das auch deutlich spiegelt, ist unverzichtbar und von entscheidender Bedeutung für den Schulerfolg der Kinder, an dem Schule und Eltern gleichermaßen interessiert sind.

Erweiterte oder moderierte Gesprächsrunden für die individuelle Bildungsplanung sind dabei sehr hilfreich, da sie innerhalb der Ganztagsschule einen vielfältigeren Blick auf die Kinder bieten.

Besonders zielführend bei der Verbesserung kommunikativer Prozesse ist an unserer Schule eine dauerhafte Supervision für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Methode der kollegialen Fallberatung wird dabei effektiv angewendet. Sie schützt vor Isolierung und vor der Überhäufung mit echten und vermeintlichen Problemen.

Überhaupt scheint die Erkenntnis „Probleme sind unsere Freunde“ ein „Schlüssel“ zu sein, um positiv motiviert, aufmerksam, teamorientiert und emotional gut aufgestellt an die Herausforderungen des Alltags heranzugehen und sich die außerordentlich notwendige Freude am Umgang mit den anvertrauten Kindern zu erhalten.

Auftretende Probleme, welcher Art auch immer, können deshalb Wegweiser sein, um gute Schule zu machen, liefern sie doch immer Hinweise auf „Stolpersteine“. Diese jedoch kann man gemeinsam besser überwinden. Nach unserer Erfahrung ist es ein jahrelanger Prozess, immer wieder an guter Kommunikation zu arbeiten. Es zeigt sich dabei deutlich, dass das Miteinander von Schule und Elternhaus von Anfang an unverzichtbar ist und dass das Mehr an investierter Zeit Rendite bringt. Diese entstehende Kultur des Miteinanders erfordert Aufmerksamkeit und „dauernde Pflege“. Sie bietet die Basis für eine schulische Atmosphäre, in der die Mädchen und Jungen vertrauensvoll leben und lernen können.

 

8. Gelingensfaktoren für die Zusammenarbeit mit Eltern

  • Beteiligung der Eltern „von Anfang an“ als niedrigschwelliges Zugangsangebot
  • Etablierung einer schulischen Willkommenskultur
  • Empathie und echte Kommunikation als vertrauensbildende Grundbedingungen
  • Wertschätzung der Elternkompetenzen

 

 

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