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Rhythmisierte Ganztagsschule

Lernzeit – Freizeit – Projekte

“In der Ganztagsschule geht es um das Ganze. Es kommt darauf an, was man daraus macht.”

Unser Modell der Rhythmisierten Ganztagsschule

Die Entwicklung unserer Offenen Ganztagsschule gehört zu den zentralen Aufgaben unserer Arbeit. Dafür wurde in den vergangenen Jahren vieles gedanklich und konzeptuell angelegt und im Besonderen praktisch erprobt. Wir verfügen seit 25 Jahren über Erfahrungen in der Entwicklung ganztägiger Projekte eigener Prägung seit 1993, im Rahmen der Vorgängermodelle der Offenen Ganztagsschule in Nordrhein-Westfalen in den 1990er-Jahren und über die Jahtrausendwende hinweg und im Auf- und Ausbau der Offenen Ganztagsschule seit 2004.

Planungsmodul

Auf dieser Grundlage und gestützt durch drei konzeptuelle Säulen entwickeln wir unser Modell der Rhythmisierten Ganztagsschule, das wir Ihnen im Folgenden in modularer Darstellungsweise vorstellen. An diesem Modul wird dauerhaft gearbeitet, sodass es im Sinne eines “Baukastens” regelmäßig qualitativ angepasst wird.

Im ersten Teil stellen wir Ihnen unsere planerischen Grundgedanken der Rhythmisierung vor. Im zweiten Teil können Sie die darauf basierenden einzelnen Tagesphasen der Ganztagsschule einsehen. 

So funktioniert es

Sie haben die Möglichkeit, über das Klappmenü zu erfahren, was sich hinter den einzelnen Planungskomponenten und den chronologisch erstellten Tagesabschnitten verbirgt. Um die einzelnen Felder zu öffnen, klicken Sie einfach auf das Kreuzsymbol im roten Kreis am rechten Rand! Zum Schließen klicken Sie im Anschluss auf das Minussymbol im roten Kreis! Diese Darstellungsweise haben wir gewählt, um die Komplexität des Moduls für Sie anwendungsfreundlich und nachvollziehbar zu machen. 

1. Teil: Grundgedanken der Rhythmisierung

Die Idee

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die ursprüngliche Idee der Offenen Ganztagsschule in Nordrhein-Westfalen war zu Beginn des Jahrtausends die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ein damit einhergehendes Betreuungssystem. Pädagogische Ansprüche und Wirkmöglichkeiten wurden von Beginn an mitgedacht und fanden sich bereits 2003 im Ursprungserlass des Landes Nordrhein-Westfalen für die Offene Ganztagsschule. Innerhalb der Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, die in der bis heute gültigen Fassung 2008 erschienen, wurden sie als qualitativer Querschnitt angelegt.

Haben oder Sein

Im Laufe des quantitativen und qualitativen Ausbaus der Offenen Ganztagsschulen entwickelten sich zwei Modelle, deren Ausprägung man als Antwort auf die beiden Fragen „Haben wir eine Offene Ganztagsschule?“ oder „Sind wir eine Offene Ganztagsschule?“ ermitteln kann.

Die Köllerholzschule ist in ihrem Selbstverständnis und in ihrem qualitativen Ausbau eine Offene Ganztagsschule. Alle Qualitätsentwicklungsprozesse sind darauf ausgerichtet.

Zahlen

Zurzeit nehmen von insgesamt 300 Schulkindern 205 (68 %) am Offenen Ganztag bis 16 Uhr und 35 (12 %) an der Übermittagbetreuung bis 13.30 Uhr teil. 60 Schulkinder (20 %) gehen nach dem Unterricht nach Hause. Vier Fünftel (80 %) unserer Kinder bleiben also über den Unterricht hinaus in der Schule, ein Fünftel (20 %) geht nach Hause.

Die Nachfrage bezüglich des Ganztags bis 16 Uhr ist weiter steigend, ebenfalls die nach der Betreuung bis 13.30 Uhr. Insgesamt geht der Trend weiterhin zur OGS. Der Anteil der Kinder, die nach Hause gehen, wird geringer.

Bildungsvorteile versus Bildungsnachteile

Von Anfang an haben wir im Rahmen unserer Ganztagsschulentwicklung die soeben genannten Zielgruppen im Blick. Es gibt Familien mit eindeutiger Präferenz für die Ganztagsschule. Es gibt Familien, die Wert darauf legen, dass die Kinder mittags nach Hause kommen. Die Gründe für beide Haltungen sind vielfältig. Wichtig ist, die Familienentwürfe gleichrangig zu bewerten.

Ganztagsschulentwicklung ist immer auch Schul- und Unterrichtsentwicklung. Die damit einhergehenden qualitativen Neuerungen sollen deshalb nach Möglichkeit in irgendeiner Form allen Schulkindern zu Gute kommen. So beeinflusst die Verzahnung von Vor- und Nachmittag den Unterricht positiv, was somit allen Kinder nutzt, auch denen, die nachmittags zu Hause sind. Und diejenigen Kinder, die nachmittags zu Hause sind, bereichern mit ihren Erfahrungen das Klassenleben am Vormittag.

Hat aber nun ein Kind, das in der Ganztagsschule ist, einen Bildungsvorteil? Darüber streiten sich die Schulexperten. Mit Blick auf unsere Ganztagsschule meinen wir, dass unser Bildungsangebot an die Kinder im landesweiten Vergleich bereits breit, gut und bildungsförderlich ausgebaut ist.

Zehn Jahre lang, von 1993 bis 2003, bereits vor dem Start unserer Ganztagsschule im Jahr 2004, konnten unsere Schulkinder an zwei Nachmittagen von 14 bis 18 Uhr in der Schule sein, im Besonderen im Rahmen der Entwicklung unseres Großprojektes „Naturnaher Schulgarten“. Diese Möglichkeit, nun an fünf Tagen bis 16 Uhr, haben wir bis heute als Qualitätsmerkmal beibehalten. Das heißt, auch Kinder, die nicht für die Ganztagsschule angemeldet sind, können an bestimmten Aktivitäten am Nachmittag teilnehmen. Das sind unsere offenen Angebote.

Nun könnte man einwenden, dass die Eltern der Ganztagsschulkinder diese Angebote mitfinanzieren. In der Realität haben wir in Absprache mit dem Ganztagsträger Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte eine Lösung gefunden.

Aus dem Stundendeputat der Schule, über das für den Ganztag zu verwendende Soll hinaus, werden zusätzliche Lehrerstunden und Arbeitsstunden von Ehrenamtlichen genutzt, um dies auszugleichen. So kommt es hier und da zu gemischten Gruppen, in denen einer vom anderen profitiert. Klassiker sind in diesem Zusammenhang unsere offenen Schulgartennachmittage an allen Wochentagen von 14 bis 16 Uhr, Angebote des Schulhandwerkers, der täglich ehrenamtlich anwesend ist oder unsere Schwimmkurse, die allen Kindern, auch bereits den Vorschulkindern, zugänglich sind.

Rhythmisierte Bildung aus Sicht des einzelnen Kindes als Erlasslage

Der NRW-Runderlass „Gebundene und offene Ganztagsschulen sowie außerunterrichtliche Ganztags- und Betreuungsangebote in Primarbereich und Sekundarstufe I“ vom 23.12.2010 benennt als Qualitätsmerkmal der Offenen Ganztagsschule (Absatz 3.1) u.a. ein „verlässliches Zeitraster und eine sinnvoll rhythmisierte Verteilung von Lernzeiten auf den Vormittag und den Nachmittag, auch unter Entwicklung neuer Formen der Stundentaktung“.

Rhythmisierung als pädagogische Grundhaltung

Aus unserer Erfahrung und Überzeugung wird das volle Wirkpotenzial der Rhythmisierung in bester Weise entfaltet, wenn die pädagogische Konzeption in Verschneidung mit den zur Verfügung stehenden räumlichen und personellen Ressourcen die Grundlage bildet, im Sinne einer individuellen Bildungs- und Förderplanung vom Bedarf des einzelnen Kindes aus zu denken und zu planen.

Rhythmisierung ist demnach aus unserer Sicht niemals eine Organisationsform, sondern immer das auf das einzelne Kind bezogene Ergebnis pädagogischer Überlegungen der in Schule Verantwortlichen.

Komprimierte Zusammenfassung der Konzeption

Das rhythmisierte Ganztagskonzept der Köllerholzschule unterscheidet sich von dem der drei bereits rhythmisierten Grundschulen in Bochum, die in jedem Jahrgang eine sog. Rhythmisierte Klasse haben.

Die Köllerholzschule hat für die Einrichtung des Rhythmisierten Ganztags Begründungs-, Organisations- und Qualitätsmerkmale entwickelt, die grundsätzlich vom Anspruch der individuellen Förderung ausgehen.

Sie führt auf dieser Basis ihre bisherigen Konzeptionen (Schul-, Unterrichts- und Ganztagsschulkonzeption) zu einer durchgängigen Konzeption „Rhythmisierte
Ganztagsschule“ zusammen, um alle Ressourcen für die ganztägig orientierte Ausbildung zu bündeln.

Die Schule entwickelt für jedes Kind oder für Gruppen von Kindern individuelle Förder- und Bildungspläne. In die Planung werden die Lehr- und Fachkräfte, die Eltern, weitere Partner und im Besonderen die Kinder einbezogen (Partizipativer Bildungsplan).
Auf dieser Grundlage werden die rhythmisierten Wochenpläne für die Kinder konzipiert, begleitet von der Frage „Was benötigen die Kinder individuell?“ und vor dem Hintergrund der enormen Heterogenität der Schülerschaft.

Die Umsetzung erfolgt deshalb nicht in Klassenzügen, sondern aufsteigend auf den Jahrgangsebenen 1 bis 4, zunächst für die Klassen 1a, 1b und 1c, in der Folge für alle Jahrgangsstufen, um in der jahrgangsübergreifenden Mischung dem Anspruch der individuellen Förderung mit passgenauer Rhythmisierung gerecht zu werden.

Die Kinder verbleiben somit nicht dauerhaft in Klassenzusammenhängen, um zusätzliche individuelle qualitative Angebote vorzuhalten. Das bedeutet, dass die zusätzlichen Personalressourcen mit einer gut organisierten Gesamtplanung zielgerichtet ganztägig von 7.15 Uhr bis 16.15 Uhr eingesetzt werden und dass alle Räume der Schule im Sinne der Multifunktionalität ganztägig genutzt werden.

So nehmen zum Beispiel die Kinder am Frühstück um 7.30 Uhr teil, die zuhause keines bekommen, nehmen die Kinder am Silentium um 10.00 Uhr teil, deren Arbeits- und Konzentrationsvermögen einen Verbleib im Klassenverband nicht mehr zulassen oder nehmen Kinder über den ganzen Tag verteilt an fachlichen, musischen, künstlerischen oder sportlichen Angeboten teil, weil es für deren Gesamtentwicklung zuträglich ist.

Das Schulamt für die Stadt Bochum wird diesen Prozess begleiten, der Erfolg wird zum Ende des Schuljahres 2019/20 evaluiert.

Voraussetzung für die Umsetzung des Konzeptes ist eine ganzheitliche Nutzung des Schulgebäudes. Neben den Betreuungsräumen werden die Klassenräume sowie der Schulgarten in die Rhythmisierung einbezogen. Hierdurch entsteht in quantitativer Hinsicht ein Mehrbedarf an Betreuungspersonal. Gleichzeitig ist zur erfolgreichen Umsetzung mehr qualifizierteres Fachpersonal erforderlich.

Rhythmisierte Lebens- und Lernwelten

Rhythmisierte Lebens- und Lernwelten sind an der Köllerholzschule seit 25 Jahren Markenzeichen. Das betrifft zum einen die Entwicklung attraktiver räumlicher Möglichkeiten, wie zum Beispiel der Auf- und Ausbau des Schulgartens als Lern- und Erholungsort.

Verbindung von praktischem und theoretischem Lernen

Zum anderen ist uns die dauerhafte Verbindung von praktischem und theoretischem Lernen wichtig. Dafür haben wir viele Möglichkeiten geschaffen, zum Beispiel unsere 50 Lernstationen für das Lernen in der Praxis.

Zweiklang „Lernzeit – Freizeit“ und Partizipation

Der Zweiklang „Lernzeit – Freizeit“ ist der gedankliche und reale Garant für ein individuell zugeschnittenes Leben und Lernen in der Ganztagsschule. Die Partizipation der Schulkinder im Sinne einer demokratischen Mitbestimmungskultur spielt hier eine wichtige Rolle, damit sie selbstständig werden und ein Rückgrat entwickeln.

 

Rhythmisierung seit 25 Jahren und Zielperspektive 2019

Formen der rhythmisierten Schule seit 25 Jahren

Seit 25 Jahren erprobt und realisiert die Köllerholzschule Formen der rhythmisierten Schule. Als noch niemand über die Ganztagsschule oder die Offene Ganztagsschule sprach, boten wir unseren Schulkindern bereits in den 1990-er Jahren verlässliche Öffnungszeiten an zwei Nachmittagen an.

In Korrespondenz zu unserem damaligen Großprojekt „Aufbau des naturnahen Schulgartens“ konnten die Kinder seit April 1994 bis Juli 2004 jeweils dienstags und donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr ganzjährig zur Schule kommen, um praktisch zu arbeiten (Schulgelände- und Schulgartenarbeit) und um sich auf dieser Grundlage fachlich zu bilden (Einrichtung von Lernstationen).

Profilbildende ganztägig orientierte Standortplanung

Bereits seinerzeit wurden die zusätzlichen nachmittäglichen Möglichkeiten im Sinne einer profilbildenden Standortplanung („Ökologie und Kunst“) mit dem Unterricht der damaligen Halbtagsschule verbunden. So wurde die Idee einer rhythmisierten Schule inklusive der Verzahnung vormittäglicher und nachmittäglicher Angebote früh geboren und vielfältig realisiert. Sie ist bis heute tragfähiger Grund unseres pädagogischen Ansatzes, jedem Kind gemäß § 1 des Schulgesetzes NRW individuelle Lern- und Bildungsmöglichkeiten zu offerieren.

Offene Ganztagsschule seit 2004

Seit August 2004 ist unsere Schule Offene Ganztagsschule in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte mit täglicher Öffnungszeit von 07.15 bis 16.00 Uhr. Zurzeit nehmen 225 von 304 Schulkindern daran teil. Dies stellt in der Bochumer Schullandschaft eine außerordentlich hohe Quote dar und ist zugleich Anspruch an die kindgerechte Entwicklung unserer Ganztagsschule.

Partizipation, Mitbestimmung und Formen der Rhythmisierung

Von Beginn an stand die Partizipation der Schulkinder im Mittelpunkt, wissen diese doch am besten, wie gute Schule funktioniert. Daraus entstanden bereits vielfältige Formen der ganztägigen Rhythmisierung.

Kompetenzerwerb, formelle und informelle Bildung

Äußerungen der Art „Das Kind verpasst etwas im Unterricht“ durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Eltern gibt es so schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, die Erkenntnis, dass Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des regulären Unterrichts vormittags und nachmittags gut und gerne lernen, hat sich durchgesetzt. Zielführend ist hier das Wissen um den anzustrebenden individuellen Kompetenzerwerb der Kinder, wie ihn die Lehrpläne fachlich und fachübergreifend implizieren und um die synergetische Beziehung formeller und informeller Bildungsszenarien.

Ziel 2019: Rhythmisierte Ganztagsschule in Bochum

Die Köllerholzschule ist seit dem Schuljahresbeginn 2019/20 unter dem Dach der „Bochum Strategie 2030“ „Rhythmisierte Ganztagsschule“ in Bochum. Dies wurde vom Rat der Stadt Bochum am 6. Juni 2019 offiziell beschlossen. Wir glauben, dass es richtig und legitim ist, zu den in Bochum bestehenden Modellen der Rhythmisierten Ganztagsschule ein weiteres Modell eigener Art hinzuzufügen und pädagogisch auszubauen.

Die Bochum Strategie – Wissen – Wandel – Wir-Gefühl – Leitbild und Kompass auf dem Weg ins Jahr 2030

Auszug Beschlussvorlage der Verwaltung – Rhythmisierter Ganztag an der Köllerholzschule

Qualitätsmerkmale als Basis und neue Taktung

Der Grundlagenerlass NRW zur Ganztagsschule bestärkt uns darin. Die in Absatz 3.1 genannten Qualitätsmerkmale sind seit vielen Jahren Basis unserer Arbeit. „Ein verlässliches Zeitraster und eine sinnvoll rhythmisierte Verteilung von Lernzeiten auf den Vormittag und den Nachmittag, auch unter Entwicklung neuer Formen der Stundentaktung“ ist hier gleichsam Aufforderung und Auftrag.

Ressourcennutzung und Bildungsplanung

Wir sind überzeugt davon, dass zusätzliche Ressourcen passgenau den Kindern zu Gute kommen müssen, die dieser besonders bedürfen. Deshalb spielt die Förder- und Bildungsplanung gemäß § 1 Schulgesetz NRW als Planungsbasis eine besondere Rolle. Förder- und Bildungsplanung schließt die Bandbreite aller Begabungen explizit ein.

Zu den Ressourcen gehört neben der Finanzausstattung im Besonderen die personelle Ausstattung. Die Stundenvolumen der Lehrkräfte und Fachkräfte sind zu bündeln und zu ergänzen durch die Volumen der weiteren an der Schule tätigen Personen, die der ehrenamtlich Tätigen und die der mitwirkenden Eltern. „Gemeinsam gute Schule machen“ ist von daher auch der treffliche Titel unserer aktuellen Schulentwicklungsarbeit.

Konzeptuelle Basis der Rhythmisierung